Willkommen in der fünften Woche

Woche 5 | Lektion 1

Woche 5: Leben ist Veränderung

Ein vorletztes Willkommen beim Angehörigencoach in Woche Fünf! Womit konnten Sie sich in der letzten Woche beschäftigen? Welche Belastungen konnten Sie bereits reduzieren oder gar abgeben?

In dieser Woche – sie ist vermutlich für viele Angehörige die herausforderndste – möchten wir Sie bestärken, sich mit Gefühlen, die besonders schmerzhaft sind und Veränderungen, die vielleicht bereits eingetreten sind oder noch auf Sie zukommen, auseinanderzusetzen. Angehörige beschäftigt nicht nur das Hier und Jetzt, sondern auch das, was noch kommen wird.

Auf vieles können wir uns vorbereiten, etwa wenn es darum geht, wo und wie die/der Erkrankte in den letzten Monaten versorgt werden möchte. Bei vielen Angehörigen setzt auch ein vorgezogener Trauerprozess ein, häufig, wenn nur mehr eine palliative Begleitung möglich ist.

Veränderungen annehmen lernen

Nicht nur die Patientin/der Patient, sondern auch dessen Angehörige hadern immer wieder mit dem Schicksal. „Warum ausgerechnet du?“ ist dabei wohl eine der meist gestellten Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Außer vielleicht die Gegenfrage: „Warum ausgerechnet ich nicht?“ Denn Sterben muss jeder.

Die Psychoanalytikerin Verena Kast begreift das Leben als „abschiedliche“ Existenz. Ob wir wollen oder nicht, wir sind einem ständigen Entwicklungsprozess unterworfen. Das beginnt im Moment der Geburt, wenn wir das Licht der Welt erblicken und den wohlig warmen Mutterleib verlassen. Leben und Vergehen ist das Naturgesetz, dem sich kein Lebewesen entziehen kann. Denn die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung. Abschiednehmen und seiner Trauer Ausdruck zu geben, hilft uns dabei. Es gehört zur Lebendigkeit des Lebens dazu, um nicht zu erstarren und die eigene Entwicklung zu blockieren.

Ressourcen anzapfen

„Gib jedem Tag die Chance, der schönste Deines Lebens zu werden.“
– Mark Twain

Besinnen Sie sich auf das, was Ihre Beziehung mit dem Patienten ausmacht, was Sie an dieser schätzen und was Sie lebendig halten wollen. Heute. Halten Sie Rückschau, sammeln Sie glückliche Momente, genießen Sie unaufgeregt die kleinen Dinge. Es geht keinesfalls darum, so zu tun, als wäre alles in Ordnung, sondern das Leben im Angesicht des Todes zu leben und wertzuschätzen.

Oder mit den Worten von Joachim Ringelnatz, Schriftsteller und Kabarettisten, ausgedrückt:

 An M.
Der du meine Wege mit mir gehst,
Jede Laune meiner Wimper spürst,
Meine Schlechtigkeiten duldest und verstehst –
Weißt du wohl, wie heiß du mich oft rührst?
Wenn ich tot bin, darfst du gar nicht trauern.
Meine Liebe wird mich überdauern
Und in fremden Kleidern dir begegnen
Und dich segnen.
Lebe, lache gut!
Mache deine Sache gut!

Zitate von Angehörigen

„Selbst an einem durchschnittlichen Tag habe ich zumindest einen kleinen Augenblick gefunden, der mich berührt hat. Und ich konnte etwas versöhnter mit dem Schicksal schlafen gehen.“

„Anfänglich war es seltsam abends auf Biegen und Brechen glückliche Momente des Tages aufzuschreiben. Mit der Zeit gelang es mir immer besser. Vielleicht auch deshalb, weil ich dadurch insgesamt wieder positiver gestimmt war.“

„Ich kam mir komisch vor, mir zu überlegen, was mich aufmuntert oder wofür ich einen Orden verdient hätte. Nach ein paar Fragen wurde mir schwer ums Herz, weil ich merkte, dass ich mich und das was ich tue als selbstverständlich erachtet habe. Seitdem mache ich mehr Gedanken, darüber was mir gut tut und achte viel stärker auf mich.“

„Als uns klar wurde, dass uns die gemeinsame Zukunft geraubt wurde, haben wir begonnen, uns auf das Hier & Jetzt zu konzentrieren. Das war schmerzlich und manchmal bitter-süß, aber so konnten wir noch gemeinsam viele schöne Momente sammeln.

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