Wenn Sie dies lesen, sind Sie bereits in Woche drei gelandet. Gratulation! Mit dem Wissen und den Erfahrungen, die Sie bereits sammeln konnten – Sie haben einige Entspannungsübungen sowie Ihre ganz persönliche Gefühlslandschaft kennengelernt – möchten wir Ihnen anbieten, neue Sichtweisen einzunehmen.
Mit neuen Perspektiven können Sie nämlich mehr Verständnis für Ihr Gegenüber und sich selbst entwickeln. So können mögliche Konflikte zwischen Ihnen und der krebskranken Patientin/dem krebskranken Patienten leichter gelöst werden. Gerade bei Unstimmigkeiten hilft es sehr, die Perspektive zu wechseln und eigenen Befindlichkeiten auf den Grund zu gehen.
Mag.a Manuela Lang, Psychologin, begrüßt Sie in der dritten Woche.
Der Zwickmühle entkommen
Als Angehörige befinden Sie sich meist in einer Zwickmühle: Sie würden gerne über das eigene Wohlbefinden sprechen, über die Schwere der Situation und dass das Miteinander so belastet ist, immer dieselben Konflikte hochkommen…
Doch in Gesprächen – auch mit Dritten – dreht sich letztlich alles um die Erkrankte/den Erkrankten, die Erkrankung und deren/dessen Zustand. Vermutlich hören auch Sie unzählige wohlgemeinte Ratschläge und Tipps zur Entlastung von FreundInnen und Familie. Diese sind aber in der Regel nur wenig erfolgreich. Denn wäre es so leicht die Lage zu entschärfen, hätten Sie bestimmt schon geeignete Bewältigungsstrategien gefunden oder Handlungsalternativen entwickelt.
Erst wenn Sie sich darüber im Klaren sind, welche Gefühle und Bedürfnisse hinter Ihren Konflikten stehen, wird es Ihnen möglich sein eingefahrene Sicht- und Verhaltensweisen zu ändern. Oftmals sind Konflikte zwischen PatientInnen und Angehörigen auch darin begründet, dass Grenzen überschritten werden.
„Ich habe meine Partnerin völlig bevormundet und ihr überhaupt nichts mehr zugetraut. Das ist mir gar nicht klar gewesen. Nachdem wir darüber gesprochen und ich nicht mehr alles an mich gerissen hatte, lösten sich viele Konflikte in Luft auf.“
Neuprogrammierung alter Muster
In dieser Woche möchten wir Ihnen Übungen vorstellen, um einen „Teil-Reset“ der körpereigenen Festplatte auszuprobieren. Durch eine Neubewertung von Gedanken oder Gefühlen kommt es in der Regel zu einem Perspektivenwechsel, der eine teilweise Veränderung Ihres Verhaltens ermöglicht.
Ziel dabei ist es, die eigenen Grenzen und Verantwortung zu erkennen und mitunter auch Kontrolle abgeben zu lernen. Dies bedeutet für Angehörige meist eine deutliche Entlastung im Alltag und führt gleichzeitig zu einer neuen Beziehungsqualität, die nicht belastet ist durch eingefahrene Gesprächs- oder Handlungsmuster.
„Es war anfänglich schwer, nicht die Schuld bei mir zu suchen und versöhnlich mit mir zu sein. Mein Perfektionismus stand mir oft im Weg und ich merkte gar nicht, wie hilflos und traurig ich mich fühlte. Mir das einzugestehen und meine Trauer zuzulassen war nicht leicht.“



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