Notfallprogramm Stress

Woche 1 | Lektion 2

Stress: Unser steinzeitliches Notfallprogramm

Stress ist die beste Notfallreaktion, die sich die Natur ausdenken konnte. Sie hilft, dass wir uns an umweltbedingte Veränderungen oder Gefahrensituationen psychisch und physisch rasch anpassen können.

Unsere urzeitlichen Vorfahren hätten sonst nicht überlebt und hatten so die Chance, vor einem Säbelzahntiger davonzulaufen oder sich gegen ein Mammut zu wehren. Die Atmung wird in Notsituationen flacher, die Muskelspannung erhöht sich, Zucker als Energielieferant wird ins Blut ausgeschüttet, die Pupillen erweitern sich, Blutdruck und Herzschlag steigern sich – wir sind hellwach und energiegeladen!

Der Unterschied zu Oetzi und seinen Mitmenschen ist, dass die aufgebaute Spannung im Körper, die dazu befähigte schnell zu handeln, in der Steinzeit sofort Entlastung erfahren hat.

Heute ist das anders – denn wer läuft schon einen Marathon zwischen Krankenhausbesuchen und Arztterminen oder boxt sich aus dem nächsten belastenden Gespräch?! Der Druck ist zwar nicht lebensbedrohlich, trotzdem läuft wie in Urzeiten das körperinterne Notfallprogramm ab. Noch problematischer wird es, wenn wir in lang anhaltenden Belastungssituationen stecken, in denen der Körper gar keine Entspannung mehr erfahren kann.

Angehörige von krebskranken Menschen sind zwar nicht von der Erkrankung selbst betroffen, sehr wohl erfahren Sie aber viel Stress, vor allem emotionalen. Warten auf Testergebnisse, Gespräche über Therapien belasten die Psyche und insgesamt befinden Sie sich in einer sehr unsicheren Zeit. Niemand weiß, was die nächsten Monate bringen werden.

Die Stressproduktion gezielt unterbrechen

Ihr Körper schüttet daher fast ständig Stresshormone aus und kann diese nicht oder nicht gänzlich abbauen. Die Folgen können Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Lustlosigkeit oder Gereiztheit sein.

Ihr Organismus braucht in herausfordernden Lebensphasen ein Extra an Bewegung, Entspannungsübungen und die Möglichkeit zwischendurch – z.B. durch Atemübungen – zur Ruhe zu kommen.

Quicktipps für unterwegs

Bevor es nun zu den Wochenübungen geht, möchten wir Ihnen noch vier wirksame Stressabbautipps geben. Sie sind kurz und knackig und helfen zwischendurch.

Wenden Sie einen der folgenden 90 Sekunden Quicktipps an, sobald Sie merken dass Ihr Körper in Alarmbereitschaft geht:

Zählen Sie langsam bis 90. Atmen Sie währenddessen tief ein und aus.

Halten Sie 90 Sekunden lang mit jemandem Hand.

Schließen Sie für 90 Sekunden die Augen, atmen Sie dabei langsam und spüren Sie Ihrem Atem nach.

Stellen Sie beide Füße auf den Boden, spüren Sie, wo Ihr Körper Boden und/oder Sessel berührt. Nehmen Sie dabei 90 Sekunden lang tiefe Atemzüge.

Diese Stressabbautipps können in der Akutsituation dabei helfen, eine Belastungsspitze besser zu meistern. Wenn Sie über längere Zeit gestresst sind, ist es sinnvoll immer wieder Übungen zu machen, die gezielt die Anspannung im Körper reduzieren. Eine Auswahl an möglichen Übungen stellen wir Ihnen in der Folge vor.

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